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21. April 2010
Am zweiten Jahrestreffen des Stop Buruli Konsortiums in Genf konnten die Mitglieder wichtige Fortschritte auf allen vier Forschungsachsen präsentieren und diskutieren. Der koordinierte Forschungsplan wurde mit Blick in die Zukunft den neuen Herausforderungen angepasst.
Mikrobiologen arbeiten eng zusammen mit Klinikern, Immunologen mit Gesundheitspolitikern, Anthropologen mit Ökologen – und alle verfolgen ein Ziel: Wissen zu generieren und umzusetzen, um die schlimme Krankheit zu bekämpfen.
An diesem zweiten Treffen haben sich die Vorteile eines multidisziplinär aufgestellten Konsortiums und die starke Beteiligung der afrikanischen Partner klar gezeigt. Zu den wichtigsten Meilensteinen gehört die verfeinerte Typisierung von Mycobacterium ulcerans Isolaten. Hierdurch wird es möglich, die räumlich-zeitliche Ausbreitung von bestimmten genetischen Varianten des Krankheitserregers in einem endemischen Gebiet zu verfolgen. Daraus können weitere Erkenntnisse für die Übertragung der Krankheit gewonnen werden.
Ein erfolgreicher Technologie-Transfer nach Afrika ist ein weiterer Meilenstein. Professor Gerd Pluschke vom Schweizerischen Tropen- und Public Health- Institut und wissenschaftlicher Koordinator des Stop Buruli Konsortiums erklärt konkret: "In Ghana konnte in Zusammenarbeit mit dem australischen Forschungsteam die real-time PCR Technologie zum Nachweis von M. ulcerans DNA etabliert werden. Dies erlaubt es, Umweltproben besser und treffsicherer zu analysieren, und gleichzeitig sind dadurch die lokalen Labor-Diagnose Kapazitäten entscheidend gestärkt worden."
Gesamthaft sind bei allen vier Forschungsachsen Fortschritte zu verzeichnen, die sich sehen lassen können:
Im Bereich 'Transmission' konnten in ausgewählten Gemeinden in Benin detaillierte Karten zur Verbreitung des Buruli Ulkus erstellt werden. Damit kann nun nach Zusammenhängen zwischen dem Vorkommen der Krankheit, Umweltfaktoren wie z.B. Vegetationstyp oder Feuchtigkeitsgrad und menschlichen Aktivitäten gesucht werden. Diese mikroepidemiologischen Studien werden statistisch ausgewertet, und weitere mögliche Faktoren sollen einbezogen werden - mit dem ambitiösen Ziel, das Geheimnis um die Übertragung von M. ulcerans zu lüften.
Betreffend 'Diagnose' konnten gleich zwei wichtige Fortschritte erreicht werden. Die bereits in einigen Regionen erfolgreich eingesetzte 'Fine Needle Aspiration' (FNA) Technik zur Entnahme von Proben beim Patienten konnte validiert und standardisiert werden. Im Gegensatz zu anderen Entnahme-Methoden erlaubt diese Technik, einfach und relativ schmerzlos Proben zu Diagnosezwecken aus dem Gewebe zu nehmen. Um diese von der WHO propagierte Methode nun möglichst schnell nutzbar zu machen, wurde in Benin ein Training mit internationalen und ortsansässigen Fachleuten und Gesundheitspersonal aus Kamerun und Ghana durchgeführt. Zusätzlich soll in den kommenden Wochen den von der Krankheit betroffenen Ländern eine e-learning-Animation zugänglich gemacht werden, welche die Methode Schritt für Schritt erklärt. Damit leistet das Stop Buruli Konsortium einen wesentlichen Beitrag zur Einführung der FNA-Diagnose Technik in den betroffenen Ländern.
Sehr vielversprechend sind die ersten Resultate einer auf Antigen-Erkennung basierenden neuen Diagnosemethode (antigen-capture-assay). Falls die weiteren Untersuchungen erfolgreich sind, könnte damit ein einfacher und kostengünstiger Test zur schnellen Erkennung von Buruli entwickelt werden. Weitere Studien werden zeigen, ob sich diese Hoffnung bestätigt.
Innerhalb der Achse 'Therapie' konnten mit Patientendaten die Erfolge der Behandlung mit Antibiotika bestätigt werden. Genauer untersucht werden sollen die sogenannten paradoxen Reaktionen – Wundvergrösserungen während der Antibiotikatherapie – und ihre klinische Handhabung. Weiter möchten die Forscher Daten sammeln um Empfehlungen zur verbesserten Wundpflege und der Behandlung von weit fortgeschrittenen Geschwüren zu erarbeiten.
Im soziokulturellen Bereich sind erste Pilotstudien erfolgreich abgeschlossen worden. Ein gemeinsamer Forschungsplan basierend auf den ersten Resultaten konnte so formuliert und vorgestellt werden. Untersucht werde soll, wie die betroffene Bevölkerung Buruli erkennt und behandelt, warum Gesundheitsdienste häufig erst spät aufgesucht werden, und wie gut Patienten die langwierige Behandlung einhalten. Darüber hinaus sollen aber auch Vorschläge erarbeitet werden, die den Zugang zu Diagnose und Therapie verbessern sollen.
Wie Dr. Alphonse Um Boock, Mitglied des Konsortiums aus Kamerun, in seiner Präsentation festhielt: "Stop Buruli hat den Umgang mit der Krankheit verbessert und in den Regionen wo Forschung durchgeführt wurde sind neue Erkenntnisse bereits ins nationale Buruli Ulkus Kontrollprogramm Kameruns eingeflossen. Es muss nun angestrebt werden, dass diese Veränderungen nachhaltig bleiben um die Qualität der Kontrolle der Krankheit in Kamerun und in anderen Ländern, in denen Stop Buruli aktiv ist, zu garantieren. Die Resultate der sozialwissenschaftlichen Studien könnten dafür entscheidend sein."
Vor all diesen Hintergründen darf man hoffnungsvoll in die Zukunft schauen und davon ausgehen, dass schon bald ein sehr viel vertiefteres Wissen über die rätselhafte Krankheit Buruli vorliegen wird, mit dem übergeordneten Ziel, Erkennung, Behandlung und Bekämpfung dieser vernachlässigten Krankheit zu verbessern.
Die wichtigsten Fortschritte auf einen Blick
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Validierung und Standardisierung der FNA-Diagnosetechnik mit Ausbildung vor Ort und Entwicklung einer E-Learning-Animation
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Etablierung der Real-time-PCR-Technologie in Ghana
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Einsatz neuer Technologien für die Genomsequenzierung zur Beschreibung der Vielfalt und Populationsstruktur von M. ulcerans
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Weiterentwicklung der Single Nucleotide Ploymorphism (SNP)-Typisierung als hoch diskriminierendes und kostengünstiges Instrument zur Bestimmung des genetischen Fingerabdrucks
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Entwicklung einer hochempfindlichen Antigen-Erkennung (antigen-capture-assay)
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Abschluss der sozialwissenschaftlichen Pilotstudien
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